Erste Podiumsdiskussion mit Professoren
19. November 2009 22:40
Erstellt von Presseteam in : Programm , trackback
Heute Morgen, zum Beginn des 3ten Streiktages, wurde zum erstenmal auf dem Podium zusammen mit Professoren diskutiert. Mitdiskutierende waren die Studenten Ates und Christian und Prof. Dr. Mathias Jahn und Prof. Heiner Bielefeldt. Moderiert wurde das ganze von Christoph und Sebastian.
Die Regeln waren einfach. Die Moderatoren stellten eine Frage an das Forum und jeder Teilnehmer hatte kurz Zeit dazu Stellung zu nehmen.
Die erste und wohl brisanteste Frage handelte von den Studiengebühren. Wohin fließen sie, ist ihre Verwendung sinnvoll und wären Alternativen denkbar.
Studiengebührenbefürworter Matthias Jahn meldete sich als erster zu Wort. Er verstehe unsere Situation, da er selbst als Student Bafög bezogen und sich mit allen möglichen Jobs durchgeschlagen habe. Jedoch bestehe zur Zeit nicht das politische Klima in Bayern um diese Forderung durchzusetzen, deshalb sollten wir uns auf die anderen, auf Bologna bezogenen Punkte zu konzentrieren. Außerdem kann er mit gutem Gewissen behaupten, dass das Geld in seinem Fachbereich direkt in die Lehre fließt, und wir sollten es anprangern und skandalisieren, wenn es in anderen Studiengängen nicht so ist.
Christian konterte darauf hin, dass wir nicht aufhören können, etwas zu fordern nur, weil die Regierung ungünstig ist. „Wenn wir jetzt davon abkommen, werden kommende Generationen, die schon gar nicht mehr wissen, dass es auch ohne Studiengebühren geht, sich einfach damit zufrieden geben.“ Zwar haben die Erhebungen sicherlich einiges verändert, doch lautet die Frage, ob die Studenten dafür zahlen sollten. „Wir müssen wieder stärker in das Ressource Wissen investieren.“ Denn, wie Ates betonte, wollen wir von niemandem Geld abzocken, wir setzen unser Wissen ein und auch das kann als Arbeit angesehen werden.
Eine etwas andere Sichtweise hat Professor Bielefeldt, der kein genereller Studiengebührengegner ist. Als Grund für die radikale Ablehnung, sieht er die hinzukommenden Unsicherheiten. „Kann ich nach meinem Bachelor noch einen Master machen? Werde ich einen Job bekommen?“. „Deshalb sollten Gebühren nach einem vernünftigen System erhoben werden, denn Bildung darf keine Hürden haben!“
Zweites Diskussionsthema war die Mehrbelastung der Studenten durch die Einführung der Bolognabeschlüsse.
Die Gäste hielten diese Frage für durchaus berechtigt und wichtig. Und dass dieser Zeitpunkt eine große Chance ist etwas an der Bolognaumsetzung zu ändern. Schließlich nennt die Bundesbildungsministerin Schavan die Proteste für berechtigt, wann passiert das schon mal?
Ates wies darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen Bilden und Ausbilden gibt, der im neuen System nicht beachtet wird und Christian fügte hinzu, dass die Arbeitsbelastung einfach zu hoch ist und man über ein alternatives Prüfungssystems nachdenken sollte.
Auf die Frage, was sich die 4 Teilnehmer von dieser Reform erhofft haben und wo diese hingehen solle, antwortete Christian, dass er sich eine einfache Mobilität zwischen Europa im Studium wünscht. Professor Bielefeldt meinte, dass diese Bereitschaft für Auslandserfahrungen nicht durch den Notenstress erstickt werden darf, dass es eine bessere Strukturalisierung in der Realität der Massenunis geben muss, die eine Atmosphäre für freies lernen, Phantasie und Kreativität bieten kann. Es kann nicht sein, dass man in ein 3 Jähriges Studium ein auf 5 Jahre ausgelegtes hineinpresst.
Eine Strukturalisierung dürfe jedoch keines Falls zur „Verschulung“ führen, wie Christian anmerkte.
Ist durch diese Strukturalisierung nun auch mehr Bürokratieaufwand entstanden?
Beide Seiten konnten dies nicht bestreiten. Sowohl die Prüfungsämter beschweren sich als auch die Studenten, die sich in ein Netz von Internetforen zurechtfinden müssen um alltägliche Unidinge erledigen zu können.
Ein weiteres Thema ist der Kontakt zwischen Fachschaften und Dozenten. Alle waren sich einig, dass dieser prinzipiell gut ist. Ates forderte die Dozenten deshalb auf, mitzuwirken, zu kommen, mitzudiskutieren. Denn dies sei kein Streit, sondern ein Streik!
Warum bisher sowenig öffentlicher Rückhalt der Dozenten kam beantwortete Prof. Dr. Jahn damit, dass die Dozenten einfach weniger leiden, als die Studenten. Jedoch besteht dieser Rückhalt, wie auch das Schreiben des Rektors beweist: es sollen keine Nachteile für die Studenten, die sich am Streik beteiligen wollen, entstehen. Heiner Bielefeld denkt, dass es daran liegt, dass die Forderungen noch nicht sehr zentriert und nicht hauptsächlich auf die Bolognaprozesse bezogen sind. Wie Ates betonte ist eine stärkere Zentrierung jedoch nicht möglich, da ein breites Spektrum an Studenten vertreten wird und Solidarität mit jedem sehr wichtig ist. Dozenten sollten nicht nur anonym unterstützen sonder öffentlich Stellung beziehen. Denn die Probleme in der Uni gehen uns alle etwas an.
In der letzen halben Stunde wurde nun das Wort an alle gerichtet.
Die erste Studentin fragte, wie es möglich sei, dass es innerhalb von so vieler Jahre vom Bolognabeschluss(1999) bis zur Einführung des Bachelors, nicht geschafft wurde eine vernünftige Prüfungsplanung zu schaffen, da die Diplommodalitäten einfach 1:1 übernommen wurden. Da jedoch beide teilnehmenden Professoren dabei nicht mitgewirkt haben, konnten sie keine Auskunft darüber geben.
Mehrere bemängelten die schlechten Zustände in einigen Instituten, dass Kopien und Skripte immer noch selbst bezahlt werden müssen, dass der Magisterstudiengang sogar seine Fächervielfalt einbußen muss und das alles trotz Studiengebühren. „Braucht die Univerwaltung wirklich 500 Euro?“ Darauf antwortete der Vorsitzende der Studiengebührenkommission. Für die Sättigung gebe es weder nach unten noch nach oben Grenzen. Würden weniger Studiengebühren erhoben, könnte auch weniger gemacht werden und der prozentuale Anteil der für die Verwaltung verwendet werden muss wäre höher. Man könnte auch die Gebühren nach Studiengängen staffeln, da es günstige und teuere gibt, doch dann wäre auch streitwürdig wie man die zentralen Ausgaben finanziert.
Klar ist, dass Dinge, die vorher selbstverständlich waren, nun als durch Studiengebühren finanzierter Luxus angesehen werden. Und diese Refinanzierung dieser Dinge durch die Studenten sei gefährlich, denn wenn man so beginnt wird am Schluss alles von den Studenten bezahlt.
Auch Professor Bielefeldt gab zu, dass es in Deutschland ein generelles Finanzierungsdefizit gibt, welches auch mit den Studiengebühren nicht getragen werden kann.
Deshalb sollten Studenten und Dozenten zusammenhalten, denn im Endeffekt wollen doch alle dasselbe.: Mehr Geld für Bildung. Die Realität der Massenunis akzeptieren, aber ohne die Verschulung die Bologna vorsieht!

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Im Text ist vom Vorsitzenden der Studiengebührenkommission die Rede, das war meiner Erinnerung nach der Vorsitzende der Studiengebührenkommission im Fach JURA. In der uniweiten Kommission ist er normales Mitglied.