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Meinungsbild (19)
22. November 2009 19:05

Erstellt von Presseteam in : Meinungsbild , trackback

1, 2, 3 – letzte Chance, vorbei!

Wenn man in den Poesiealben meiner Freunde aus der Grundschule blättert und auf meinen Eintrag stößt, findet man unter „Berufswunsch“ in Kinderschrift das Wort „Lehrerin“ und unter „Lieblingsfächer“ „Deutsch und HSK“ (Heimat und Sachkunde). Schon sehr früh wusste ich also, was ich „wenn ich mal groß bin“ machen möchte.

Mittlerweile bin ich zum zweiten mal in der Linguistik2-Prüfung durchgefallen. Einmal aus einer Mischung aus Überforderung, dank 7 Klausuren in anderthalb Wochen, die ich zwischen Nervenzusammenbruch, Übelkeit und Magenkrämpfen schreiben musste, gepaart mit Unterschätzung der Stoffes (ich dachte, ich müsse mehr für die anderen Klausuren lernen…), ein zweites Mal aus – ich weiß es nicht – Angst, es wieder nicht zu schaffen, Überanstrengung, weil ich „zu viel“ gelernt habe, oder vielleicht weil ich doch unfähig bin, irgendwann eine gute Lehrerin zu werden und es lieber gleich lassen sollte?! Ich habe noch einen Versuch. Im Februar. Ohne Wiederholung des Kurses. Wenn ich diesmal durchfalle, war’s das. Aus der Traum. Letzte Chance…vorbei… Weil ich die Lautverschiebungen in den Vorstufen des heutigen Deutsch nicht erkennen kann?! Weil ich mit mittelhochdeutschen Verben nicht besonders viel anfangen kann?! Doch brauche ich das wirklich, wenn ich in der Schule unterrichte? Wie oft behandelt man den Mittelhochdeutsch und Co. in der Schule? (Ich meine außerhalb des einen Gedichts von Walter von der Vogelweide, das man mal eben nebenbei liest…)

Bisher habe ich in meinem Lehramtsstudium größtenteils Dinge gelernt, die zwar schön und gut für alle Sprachwissenschaftler und Historiker sind, mir aber praktisch, im Unterricht mit echten Schülern wenig weiterhelfen können. Leider! Ich weiß, dass ein breites Grundwissen von enormer Bedeutung ist, aber warum musste ich im meinem Praktikum Wikipedia (was wie wir alle wissen, nicht zitierfähig ist!) und das jeweilige Schulbuch konsultieren, um Unterrichtsstunden zu planen? Vielleicht weil wir in der Uni Dinge vertiefen, die in der Schule nicht oder nur nebenbei behandelt werden? Natürlich kann ich mich auch irren, aber ich meine doch, dass das derzeitige Lehramtsstudium uns zu Leerkörpern (das „ee“ ist Absicht) und nicht zu Lehrern macht.

Ich bin im dritten Semester und mir fehlen noch vier Veranstaltungen aus den Erziehungswissenschaften, die ich bis Ende des vierten Semesters hinter mich gebracht haben werde. Im Schnelldurchlauf. Erziehungswissenschaften light. Damit wir bloß nicht auf die Idee kommen, unseren Schülern Werte für ihr Leben zu vermitteln, sondern lediglich Fachidioten sind, die ihre Schüler auf die Uni vorbereiten. Auf das wirkliche Leben, wo Leistung mehr wert ist, als Interessen, Ideen, Träume… Wo man geformt wird und als Bachelor mit Einheitsdenken und ohne Meinung wieder hinausgeht.

Vielleicht brauche ich mir darüber aber auch bald keine Gedanken mehr zu machen… Es könnte ja passieren, dass mein Traum bald Geschichte ist. Aufgrund einer Klausur.

Jacqueline K., Germanistik, Geschichte, Sozialkunde auf Lehramt für GY, 3. Semester

Comments»

1. JFP - 22. November 2009

Ich bin zwar selbst kein Lehramtsstudent, aber ich finde diese Kritik dazu sehr treffend. Hier liegt denke ich auch ein Teil der Lösung um Probleme an Schulen zu lösen. Lehrer sollten besser auf den Alltag vorbereitet werden. Im Studium sollte nicht aus Tradition an alten Lehrgewohnheiten festgehalten werden.