jump to navigation

Kommentar: Damit sich etwas ändert
1. December 2009 23:14

Erstellt von admin in : Lagebericht , trackback

Nachdem unsere Generation von Studierenden von den Österreichern gelernt hat, dass gegen von oben diktierte Systemverschlechterung protestiert werden kann, sind in kurzer Zeit in dutzenden von deutschen Universitäten Hörsäle besetzt worden. In so einem sitze ich gerade. Durch die Eroberung von Räumen, in denen von kleineren Arbeitsgruppen formulierte Vorschläge diskutiert, abgestimmt und somit legitimiert werden konnten, sind gravierende Missstände im Bildungssystem aufgezeigt und konkrete Forderungen aufgestellt worden. In diesen hochgradig demokratischen Prozessen, die teilweise sehr langwierig und ermüdend waren, konnten alle Beteiligten viel über Politik lernen. Es gibt die Kritik “Wer richtig studiert, der hat keine Zeit, zu protestieren!“ Da gerade für die neu umgestellten Studiengänge dieser Satz nur allzu wahr ist und Vorstellungen über die 68er Studierenden auf die Umstände der heutigen, unter der Bologna-Reform leidenden, ECTS-Jäger übertragen werden, ist der Bildungsstreik enorm wichtig. Da sowohl die Kinder von Geringverdienenden, als auch BAFöG-Empfänger Studiengebühren zahlen müssen und Akademiker nicht nur sich selbst, sondern als Ärztinnen, Lehrerinnen und Ingenieurinnen der gesamten Gesellschaft dienen, hat gerade die Forderung eines unentgeltlichen Studiums große Bedeutung. Ein Problem ist jedoch die gegenseitige Zuschieberei des Schwarzen Peters in der Politik, die allgemeine untätige Verkündung von Verständnis für die Studierenden und ein falsches Bild über das aktuelle Studierendenleben in der Bevölkerung. Obwohl die Probleme der ökonomisierten Bildung und der durch Gier und Managementversagen verursachten Massenentlassungen gesamtgesellschaftliche sind, droht der Bildungsstreik in Alltag und Untätigkeit abzusaufen. Wir wollen keine Autos vorm Reichstag abfackeln. Was sollen wir nur tun, damit sich etwas ändert?

Florian Kriebel

Comments»

1. egal - 2. December 2009

was soll uns das sagen? wenn man schon selbst nicht weiss was zu tun ist, wie soll man etwas erreichen? Ich glaube wir (ihr) haben nicht nur die bildung zu grabe getragen sondern auch den konstruktiven streik. ich warte der dinge die da kommen mögen …

2. Tobi - 2. December 2009

Raus aus dem Hörsaal, rauf auf die Straße!

3. capo - 2. December 2009

Bei WEM müssen wir Druck machen? Der Text stellt seiner Frage doch die Ansatzpunkte teilweise voraus: Bei denen, die sich den schwarzen Peter ständig gegenseitig zuschieben: Hochschulleitung und Politik!

Wir können die Uni-Leitung bestreiken und blockieren, denn an dieser ist es die Studiengebühr ab dem nächsten Semester auf das Minimum zu senken, bis die Politik es abschafft.

Wir könnten die OBs und Fraktionen in den Rathäusern in Erlangen und Nürnberg bestreiken und blockieren, denn die Kommunalpolitik ist (wie schon in einem anderen Kommentar ausgeführt) im VGN und den kommunalen Verkehrsunternehmen maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass es kein Semesterticket zu anständigem Preis gibt.

Wir können eine Streikwanderung zu den Büros der Landtags- und Bundestagsabgeordneten machen und diese auf gesetzliche Änderungen zu drängen.

Weiterhin stattfinden muss der Gang in die Öffentlichkeit auch durch generelle Demos und eine peramente Anslaufstelle möglichst in einem besetzten Hörsaal.

Jedoch darf die Besetzung des Audimax ebn nicht bedeuten, was in den letzten Tagen vermehrt zu Diskussionen geführt hat, dass wir einseitig nur ganz spezielle Studiengänge und Semester in der Durchführung ihrer Veranstaltungen hindern – das bringt uns nicht voran. Wir beklagen mangelnde Solidarität – Dann müssen wir sie mit angemessenem Augenmaß auch umgekehrt haben, die Last des Streiks gleichmäßiger und zweckmäßiger dorthin aufzuteilen, wo sie uns der Verwirklichung unserer Ziele entgegenbringt.

4. capo - 2. December 2009

PS: … man verzeihe mir den ein oder anderen Flüchtigkeitsrechtschreibfehler, aber hier gibt es keine Bearbeitungsfunktion für eigene Beiträge 😉

5. name - 2. December 2009

“In diesen hochgradig demokratischen Prozessen, die teilweise sehr langwierig und ermüdend waren, konnten alle Beteiligten viel über Politik lernen.”

Vor allem konnte man lernen, dass man ausgebuht wird, wenn man versucht konstruktive Kritik zu äußern.

6. mabuse - 2. December 2009

Florian du hast bereits relativ richtig erkannt, dass”die Probleme der ökonomisierten Bildung und der durch Gier und Managementversagen verursachten Massenentlassungen gesamtgesellschaftliche ” sind. Daraus könnte für die Bildungsstreikbewegung an sich nur eins folgen: die Aufstellung von gesamtgesellschaftlichen Forderungen. Aber was tun wir stattdessen? Wir wollen möglichst “unpolitisch” sein und sind gegen “linksextremisten”. Jedem Schulkind der 11ten Klasse ist klar, dass ein Streik, der Forderungen an politische Institutionen stellt, per se NICHT unpolitisch sein kann, aber ein paar tausend Studenten scheint diese Erkenntnis bisher noch nicht gekommen zu sein – leider. Denn sonst hätten wir schon vielviel mehr erreichen können. Wenn wir als Bewegung nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wollen, und nicht am Ende auch noch zu Exekutionsgehilfen der Verwertungsmechanismen dieser Gesellschaft werden wollen, sollten wir schleunigst versuchen gesamtgesellschaftlich zu agieren, und vor allem auch gegen die gesamtgesellschaftliche Verwertungsmaschine. Denn es ist nicht wie du geschrieben hast der “Gier” einer weniger geschuldet, dass wir dort sind, wo wir jetzt sind, sondern es liegt am Wirtschaftssystem an sich. Würden 10 Manager gehen, glaub mir 5000 stehen bereit ihren Platz einzunehmen. Also was tuen? Eine ernsthafte Ausseinandersetzung mit dem suchen, was zur ökonomisierung der Bildung geführt hat. Dieses etwas hat einen Namen: Kapitalismus.

7. Rüdiger Kalupner - 2. December 2009

Mein Angebot v. 18.11., das die MAXIMALOPTION für Euren Bildungsstreik beschrieb,’Anstoß des Epochenwechsels unter die Evolutionsordnung des KREATIVEN durch Diskussion des vorhandenen Erkenntnisstands’, habt Ihr ja keiner Diskussion gewürdigt.

Darin sind die Erlanger Machtverhältnisse (= Siemens- und IGM-Vorstand übernahm 1986 die Machtspitze in Erlangen und hat sie bis heute noch inne) dargestellt und ausgeführt, dass sie die Geschäftsführung der Macht-Nr.1 in und über Deutschland darstellen. Auch die Adressaten Eures Protestes in Erlangen ist angegeben. Das örtliche Ziel Eurer Aktionen, mit denen Ihr das 2%Wachstumszwang-Regime der Kapitalstockmaximeirer stürzen könntet, wäre demnach der Leiter der u n d die IGM-Verwaltungsstelle in der Friedrichstraße, Herr Niclas, sowie die Uni-Leitung. In dem Text ‘Blamiert sich die FAU im Epochenwechsel 2010?’ ist deren Lage offengelegt.

Aber diese geheimen Machtverhältnisse und die Chance, diese zu verändern, offenbaren sich erst, wenn man sich mit den konkreten Machtbeziehungen und den geschichtlichen Ereignissen beschäftigt hat. Offensichtlich ist keiner von Euch ins Konkrete eingestiegen. Sonst hätte es doch wenigstens ein Informationsgespräch gegeben … Aber das ließe sich ja nachholen.

Auf der Webseite der KREATIVEN könnt ihr Euch informieren:

z.B. http://www.die-kreativen-partei.de/Zeitzeugen.php

Gestern habe ich kurz mit Prof. Götze gesprochen. Vielleicht trägt er mein Angebot an alle anderen Protest-Unis weiter. Er hat die Machtdimension eines Siemens- und IGM-Vorstände-Clans sofort erkannt und auch die besondere Rolle Erlangens in der Gegenwart geahnt.

Grüße,
Rüdiger Kalupner

8. paco - 2. December 2009

Raus aus dem Audimax – rauf zur Uni-Leitung

eure Solidarität in allen Ehren, seid auch solidarisch zu denjenigen Studenten die seit Wochen nicht ihrer Bildung im Audimax nachkommen können!!!

9. MY NEW ZOO - 2. December 2009

FAU BRENNT SONG

danke für den unvergeßlichen 1 Dez im Audimax. Der Song “FAU BRENNT!” ist in der Mache. Wir untersützten Euch mit allen Kräften bei Euren Vorhaben und sind auch auf der Straße dabei, wenn es wieder so weit ist. Haltet Durch. Wir helfen Euch aktiv dabei.
Wenn Ihr mal ne Bühne und PA für Draußen braucht, dann meldet Euch.
PS: wir würden gerne unseren Fans von dem Abend berichten und bräuchten dafür ein paar Photos und bewegte Bilder davon.
Moritz hat unsere Nummer.

Cheers!

Danijel und Robert von MY NEW ZOO.

10. theaterspieler - 2. December 2009

Eine kleine Aktion mit großer Wirkung, die gleich morgen die Protestbewegung verbreitert und legitimiert, ist jetzt wichtig!

Ich denke, die Abschaffung der Anwesenheitskontrolle ist eine sehr lohnende Baustelle und gleichzeitig ein super Weg, wie die Bewegung sich den gewaltigen Applaus der Hörsääle sichern kann. Das schafft Symbole, Momente und Emotionen, die dem Protest einen langen Atem geben …

in Würzburg wurde am Sonntag die Aktion schon fast schlüsselfertig konzipiert .. siehe Link:
http://www.wuerzburg-brennt.de/blog/wp-content/uploads/2009/11/Paper-Inszenierung.pdf

11. Maxi - 2. December 2009

Wir können uns nicht ewig im Audimax verschanzen, das bringt nichts bzw. nicht viel und blockiert in bestimmten Studiengängen wie z.B. Jura viele Lehrveranstaltungen. Die Kritik der betroffenen Studenten sehe ich ein und auch dass sie sich deshalb nicht unbedingt am Streik beteiligen wollen. Hier muss eine Lösung gefunden werden, z.B. dass der Audimax für deren Lehrveranstaltungen zugelassen wird, oder die betreffenden Dozenten erklären sich bereit, den Stoff in der Klausur verkürzt dranzunehmen, so etwas jedenfalls in der Art. Es ist ja NICHT das Ziel, die Bildung selbst zu bestreiken und das eigene Studium zu vernachlässigen. Man sollte sich mit den jeweiligen Dozenten in Verbindung setzen und eine Lösung ausarbeiten.
Weiterhin:
– Wir müssen die Bevölkerung hinter uns bringen, sie müssen hinter uns und unseren Forderungen stehen. Dazu sollten Flugblätter verteilt werden, Plakate aufgehängt, auf denen die Missstände aufgezeigt werden und erklärt wird, wie diese durch unsere gestellten Forderungen verbessert werden, wem das alles letztendlich auf welche Art zugute kommen wird. Dazu könnte man sich noch mal mit Herrn Alliolo Näcke in Verbindung setzen, der das in seinem Vortrag alles sehr gut und auch drastisch dargelegt hat.
– Wir müssen uns noch besser vernetzen, am besten mit allen besetzten Unis in Deutschland um an einem Strang zu ziehen und um eine riesige Demo in Berlin zu planen und durchzuführen. Wenn jeder nur für sich selbst dahinkleckert, sitzen die Politiker das ganze nur aus.
– Es muss zweigleisig gefahren werden, Demonstrationen nicht nur vor dem Bundestag sondern auch vor den Länderparlamenten, denn die sind für die Studiengebühren verantwortlich.
– Die Forderungen müssen drastischer gestellt werden, z.B. Abschaffung des Bachelor-Systems (–> siehe USA, dort wird wieder zum Diplom übergegangen, weil sich Bachelor/Master als großer Mist herausgestellt haben).
– Wir müssen dranbleiben! Wenn eine Annette Schavan verspricht das Bafög zu erhöhen, dürfen wir nicht sagen, ja schön, sondern müssen im selben Atemzug fordern, die Vermögensgrenze hochzuschrauben. 90% Der Studierenden in Deutschland bekommen KEIN Bafög. Wir müssen alle Behauptungen und Beschwichtigungen der Verantwortlichen sofort auseinander nehmen und dürfen uns nicht einlullen lassen.
– Wir müssen uns mit den Gewerkschaften zusammentun, was ja auch schon geschehen ist, verdi und IG Metall sind dem Bildungsstreik ja sehr zugetan.

Mehr fällt mir erstmal nicht ein.
Wir müssen dranbleiben, die Protestbewegung darf nicht sang- und klanglos untergehen!

12. anna - 2. December 2009

@maxi:
recht hast du – also auf ins audimax und rein in die ak’s! hat ja schon einen sinn, das die strukturen offen sind (:

13. Sabrina - 3. December 2009

Keine Gewerkschaften und Parteien – ich hab heute mal in Nürnberg reingeschaut -das geht gar nicht ! Da gibt es so viel Ablehnung wegen den sogenannten ” Bündnispartnern” das könnt ihr euch nicht vorstellen ! Die schaden damit auch unserer Sache, weil wir immer in einem Atemzug genannt werden .

14. @anna - 3. December 2009

Ja nur gibt es keinen AK “Raumplanung” und als er im Plenunum vorgeschlagen wurden hieß es “Es ist nicht unsere Aufgabe”.

15. Rüdiger Kalupner - 3. December 2009

@ sabrina # 13
Sabrina, Ihr Diskussionsbeitrag kommt zum richtigen Zeitpunkt. Er überschnitt sich mit meiner # 15.

Wenn meine Analyse der Macht-/Rumpelstilzchen-Verfassung Deutschlands und Erlangens stimmt, dann z i t t e r n die Partei-, Regierungs-, Siemens- und Großgewerkschaftsspitzen vor E u c h – bei dem Gedanken, dass Ihr .Euch auf die MAXIMALOPTION ‘Epochenwechsel-Wissen diskutieren’ einlaßt.

Wenn ich Euch also richtig informiere und richtig rate, – und dass es so ist, wissen die Spitzenvertreter natürlich schon seit Jahren ganz genau – dann braucht Ihr nur noch das ‘Bewußtsein von Eurer und unserer vorrevolutionären Realität’, um das umstürzlicherische Wirkungspotenzial freizusetzen. Wenn Ihr, die AudiMax-Besetzer an der Uni Erlangen-Nürnberg auch nur das kleinste Zeichen nach außen sendet, dass Ihr Euer HEUREKA!-Erfahrung erlebt habt, dann bin ich sicher, dass die Spitzenvertreter der genannten Macht-Nr.1-Gremien schon ihr politisches Testament und ihre Abdankungs- und Rücktritts-Texte verfassen und die Medien über die Lage in Erlangen berichten werden.

16. Dadaismus - 6. December 2009

=== Fiktiver Brief an Herrn Kalupner ===

Sehr geehrter Herr Kalupner!
Bitte lassen Sie uns endlich mal in Ruhe! Wir erwarten als Studenten keinen “Tag X” und sehen in Frau Merkel auch nicht einen modernen Jesus. Niemand von uns will die gesellschaftliche Grundordnung stürzen, wir wollen als gute Demokraten ein paar Dinge im BILDUNGSSYSTEM verändern. Und wir ziehen es nicht vor, mit einer Ein-Mann-Partei, die sogar vom Verfassungsschutz mit zwei Beamten ständig überwacht wird, zu koalieren. Wie Sie vielleicht langsam merken sollten, finden Sie bei Studenten keinen Nährboden, Ihre Ideen sind dafür einfach zu lächerlich. Vielleicht könnten Sie sich mit den Rechten oder Linken besser anfreunden, am besten mit welchen, die nicht allzu viel auf dem Kasten haben. Alternativ sucht der RCDS auch noch nach Nachwuchs, hab ich mir sagen lassen.

Mit freundlichen Grüßen,
Dadaimus

=== Ende fiktiver Brief ===
(Bitte nicht ernst nehmen, so wie Ihre Flugblätter immer)

17. Rüdiger Kalupner - 8. January 2010

Wer war zu feig und schreibt den obigen Brief nicht unter seinem Namen und in wessen Auftrag?
Aber dennoch wird er als ‘Gesamturteil’ der Erlanger Studenten in die Geschichte eingehen …